Individuelle Wege aus der Trauer

Zeiten der Trauer

In Zeiten der Trauer machen wir unweigerlich vollkommen neue Erfahrungen in unserem erLEBen. "Ich kenne mich selbst nicht mehr!" höre ich nicht selten von Betroffenen in Einzelbegleitungen. Wird dieser Satz in Trauergruppen formuliert reagieren die Teilnehmer/-innen mit wissendem, bestätigendem Kopfnicken.

Während es früher ganz selbstverständlich war, sich Zeit und Raum zum Trauern nach dem Tod eines Menschen zu nehmen, findet die Trauer heute kaum mehr Raum in unserem Leben. Dabei ist sie natürlich und lebensnotwendig und das Bedürfnis nach einer Möglichkeit, die eigene Trauer wirklich zu leben, ist groß.

Trauernde Menschen

Sie sollen so schnell wie möglich wieder funktionieren, „alltagstauglich“ sein. Aber Trauer braucht Zeit! Zum Begreifen, für den Schmerz, für den Rückzug, dafür sich in dieser „neuen Rolle“ zu erfahren. Zeit um wieder Kraft und Mut zu schöpfen, bis eine Neuorientierung im Alltag möglich wird. Viele trauende Menschen fühlen sich in dieser Phase fremd.

Das soziale Umfeld

So deplatziert sich trauernde Menschen in dieser Zeit fühlen können, so verunsichert reagiert auch häufig das Umfeld im Kontakt mit Trauernden. Eine meist auf Angst gebaute Vermeidungsreaktion kann sich in oberflächlichem Interesse, gut gemeinten Ratschlägen, ausweichen von Blicken und vielen weiteren Reaktionen zeigen. Um ein Zusammentreffen mit dem Trauernden zu vermeiden, wird oft sogar die Straßenseite gewechselt. Diese Reaktionen wirken oftmals verletzend auf die Trauernden, wenngleich dies nicht gewollt ist.

Unsicherheit auf beiden Seiten

Unsicherheit prägt sowohl den trauernden Menschen, der darum ringt, einen neuen Alltagsrhythmus zu finden, als auch das Umfeld in der Begegnung mit Betroffenen. Auf beiden Seiten wird Mut und Herz benötigt. Trauerbegleitung kann hierbei unterstützen.